Cassius und Florentius: Stadtpatrone von Bonn

Fakten zu Cassius und Florentius

  • Kamen im 3. Jahrhundert als römische Soldaten ins Rheinland
  • Waren vermutlich Afrikaner aus Ägypten mit dunkler Hautfarbe
  • Starben den Märtyrertod, weil sie sich geweigert haben sollen, gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen
  • Grabeskirche ist das Bonner Müster – die Gebeine liegen im Schrein der Krypta
  • Neben dem Schrein ist der Zugang zur Märtyrergruft, die nur während des Stadtpatronefestes geöffnet ist
  • Gedenktag: 10. Oktober
  • Darstellung: meist als Soldaten mit Fahne und Schild
  • Prägen noch heute das Bonner Stadtbild; besonders bekannt sind zwei Skulpturen ihrer abgeschlagenen Köpfe vor dem Bonner Münster

Ende des 3. Jahrhunderts starben zwei christliche Soldaten bei Bonn den Märtyrertod, weil sie nicht gegen ihre Glaubensbrüder in den Kampf ziehen wollten. Heute prägen Cassius und Florentius nicht nur das Bonner Stadtbild – auch ihre Lebensgeschichte hat weiter aktuelle Bezüge.

9. Oktober 2019

Leben und Sterben

Es ist ein eher versteckter Ort in Bonn-Endenich, an dem das Schicksal seinen Lauf nahm: Dort, wo heute die sogenannte „Märtyrerkapelle“ steht, sollen Ende des 3. Jahrhunderts die beiden Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius den Märtyrertod gestorben sein — vermutlich wurden sie geköpft. Noch heute führt zu diesem Ort ein Weg mit einem etwas gruseligen Namen: Der Mordkappenpfad.

Die beiden vermutlich dunkelhäutigen Christen waren wohl aus Ägypten ins Rheinland gekommen. Sie sollen römische Soldaten der sogenannte „Thebäischen Legion“ gewesen sein. Als sie jedoch den Auftrag bekamen, auch gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen, weigerten sie sich – und das bedeutete ihr Todesurteil. Die ganze Legion, so heißt es, wurde hingerichtet. Auch der hl. Gereon (Köln) und die heiligen Viktor und Mallosius (Xanten) sollen in der Thebäischen Legion gewesen sein.

Dem Schicksal von Cassius und Florentius gedenken die Menschen in Bonn schon seit Beginn des 4. Jahrhunderts. Im Zuge dessen brachte die heilige Helena ihre Knochen auch an den Ort, wo heute das Münster steht. Wie es der Brauch war, feierten die Christen über den Gräbern der Märtyrer Gottesdienste. Ein Vorgängerbau der heutigen Münster-Basilika, die heute die Grabeskirche der Stadtpatrone ist, wurde errichtet. Die Erhebung der Gebeine fand am 2. Mai 1166 statt und war der symbolische Akt zur offiziellen Heiligsprechung.

Im Bonner Münster (derzeit wegen Renovierung geschlossen) finden sich viele Darstellungen von Cassius und Florentius. Besonders bekannt sind die beiden Skulpturen ihrer abgeschlagenen Köpfe aus Granit, die draußen auf dem Boden vor der Bonner Kirche liegen. Aktuell sind sie wegen der Sanierung des Münsters, die vermutlich noch bis 2021 dauert, jedoch nicht zu sehen.

Bedeutung heute

Trotzdem prägen Cassius und Florentius die Stadt Bonn: Jedes Jahr um den 10. Oktober, ihrem Gedenktag, wird ein großes Patronatsfest gefeiert. Bei einem traditionellen Gottesdienst bringt dann der Stadtrat ein Kerzenopfer dar. Es wird eine Kerze entzündet mit der Aufschrift: Cassi, Florenti orate pro nobis - Der Rat der Stadt Bonn.

Spuren der Heiligen gibt es in Bonn noch mehr:

  • Mehrere Straßennahmen und ein Jugendzentrum sind nach ihnen benannt.
  • ein vegetarisches Restaurant trägt den Namen der Märtyrer.
  • Und sogar auf dem Rhein wirken sie weiter: Zwei DLRG-Rettungsboote sind nach Cassius, Florentius und Adelheid – der Mitpatronin Bonns – benannt

> Adelheid wacht nun auch über den Rhein (Beitrag vom 26. Mai 2019 auf der Website der Medienwerkstatt Bonn)

Liturgie

Im Erzbistum Köln wird der beiden Märtyerer Cassius und Florentius mit einem "nicht gebotenen Gedenktag" am 10. Oktober gedacht. Im Stadtgebiet von Bonn wird das Gedenken als Hochfest gefeiert. Auch der Gedenktag des Hl. Gereon ist am 19. Oktober – und in der Stadt Köln ein Hochfest. Die liturgische Farbe ist wie bei allen Märtyrern Rot.

In einem festlichen Gottesdienst – meist am Sonntag nach dem 10. Oktober – bringt der Rat der Stadt Bonn ein Kerzenopfer dar. Bereits aus dem Mittelalter ist die Tradition des Kerzenopfers überliefert. Ein Protokoll des Cassius-Stiftes von 1595 spricht von sechs Wachskerzen, die der Magistrat der Stadt gestiftet hat. Heute trägt die Kerze die Aufschrift Cassi, Florenti orate pro nobis - Der Rat der Stadt Bonn. Seit 1300 Jahren werden Cassius und Florentius an diesem Ort für ihren Mut und ihren unbeirrbaren Glauben verehrt.

Stadtdechant Wolfgang Picken zu Cassius und Florentius

„Cassius und Florentius sind für ihre Ideen eingestanden. Und solche Menschen brauchen wir auch heute: Menschen, die wissen, dass große Ideale nur gelebt werden können, wenn man auch bereit ist, sie persönlich umzusetzen — und zur Not auch mal Nachteile in Kauf zu nehmen. Das gilt für den Alltag – aber das lernen wir gerade auch wieder bei der „Fridays for Future“-Bewegung: Es braucht persönlichen Einsatz. Und dafür stehen Cassius und Florentius noch heute. Sie sind Zeugen für eine Lebenshaltung, auf die jede Gesellschaft angewiesen ist – und unsere Moderne im Besonderen.“