Erzbistum Köln – Projekt Engagementförderung – Fachtag

19. September 2019 Newsdesk/wey

Wie kann man Menschen dafür begeistern, sich vor Ort zu einzubringen und auch das Leben in der Pfarrgemeinde mitzugestalten? Welche organisatorischen Voraussetzungen braucht es dafür? Mit diesen Fragen beschäftigt sich zurzeit das Projekt „Engagementförderung“. Am 16. September trafen sich die Experten im Kardinal-Schulte Haus in Bensberg zur Bestandsaufnahme und zur weiteren Planung. Mit dabei war auch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. 

Die Idee klingt so einfach und gut: Jeder soll sich einbringen, mit dem was er gut kann. Jeder engagiert sich mit seinen persönlichen Fähigkeiten und Interessen und am Ende steht ein reichhaltiges und vielfältiges Gemeindeleben. In der Praxis kommen allerdings ganz schnell die großen Fragezeichen: Wie funktioniert das? Wie kann man Menschen dafür begeistern? Wie kann man kurzfristige Begeisterung in nachhaltiges Engagement umwandeln?

Das Projekt Engagementförderung ist diesen und weiteren Fragen seit rund zwei Jahren auf der Spur. Jetzt, zur Halbzeit des auf 4 Jahre angelegten Projektes, trafen sich am 16. September beim „ Fachtag Engagementförderung“ Experten und Interessierte aus Theorie und Praxis im Kardinal-Schulte Haus in Bensberg. Die Fragen: Was hat bisher gut funktioniert? Was kann man noch verbessern? Was sind die nächsten Schritte?

Kardinal Woelki: Kirche besteht aus Menschen, die sich für Andere einsetzen

Mit dabei war auch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. In seiner Ansprache dankte er den Engagementförderern und allen Engagierten für ihren Einsatz und betonte: „Es ist klar: Wir brauchen immer schon – nicht erst in Zukunft! – Menschen, die sich für die Kirche engagieren“. Sie seien zentral, denn „Die Kirche“ sei nicht nur die Menge an Sakralbauten, Tagungshäusern oder Pfarreistrukturen. Kirche bestünde nicht zuletzt aus Menschen, die sich für andere Menschen einsetzten. Gleichzeitig richtete Kardinal Woelki den Blick auf den mitunter verborgenen Kern des Engagements: „Sich zu engagieren beudeutet auch Teilhabe an etwas, das größer ist als wir selbst – in unserem konkreten Fall Teilhabe am Reich Gottes.“

Was machen eigentlich Engagementförder?

Woher die Motivation der Engagierten kommt

Der Bochumer Wissenschaftler Prof. Matthias Sellmann vom Institut für angewandte Pastoralforschung (ZAP) setzte sich in seinem Vortrag mit dem Thema „Der Reichtum der Großzügigkeit oder das Geheimnis engagierter Leute“ auseinander. Dabei fragte er unter anderem, woher Engagierte ihre Motivation schöpfen: „Was geschieht in jenem Engagierten, der sich vorkommt wie ein Tannenbaum, an den man gerne immer mehr schöne Ehrenämter und Aufgaben hängt? Und der das mitmacht?“ . Die Antwort: „Ihr Geheimnis lautet: Du wirst reicher, wenn du etwas gibst. Du lebst eigentlich nicht von dem, was du hast und ängstlich behältst – sondern von dem, was du gibst.“

Diese Erfahrung konnten auch die Engagementförderer bestätigen. Astrid Fox arbeitet seit Juni 2018 als Engagementfördererin Meerbusch Büderich. Sie sagt: „Engagementförderung bedeutet für mich, dass ich Menschen den Zugang zur Teilhabe ermögliche. Das heißt für mich, dass Menschen die aus dem innerkirchlichen Bereich kommen aber auch diejenigen die kirchenfern sind, die Möglichkeit bekommen, sich zu engagieren und an Nächstenliebe teilzuhaben.“

Einen weiteren wichtigen motivierenden Faktor benannte Markus Gehringer, der seit Januar 2019 als Engagementförderer in Frechen tätig ist: „Ich finde den interprofessionellen Austausch wichtig. Meine Erfahrung ist, dass in der Pfarrei Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen zusammenkommen und sich Gedanken um ein gemeinsames Ziel machen: Wie kann Engagement vor Ort funktionieren.“

Workshops liefern praktische Impulse

Zu diesem Thema gab es auch am Nachmittag viele praktische Impulse. In sechs Workshops ging es u.a. darum, welche Ziele und Erwartungen Menschen haben, die sich engagieren wollen oder wie man Netzwerkstrukturen gestalten kann, die ein solches Engagement begünstigen. Zusätzlich wurde diskutiert, wie man innovative Initiativen vor Ort gezielt seitens der bestehenden Institutionen unterstützen kann. Außerdem wurden Möglichkeiten vorgestellt, wie man Schritt für Schritt eine „ Engagementkultur“ aufbaut. Da Engagementförderung sich als wesentlicher Bestandteil der Kirchenentwicklung versteht, gab es zudem Einblicke in die Handlungsempfehlungen, die sich aus dem Alten und Neuen Testament für diesen Bereich ableiten lassen.

Mit Knowhow werden aus Ideen echte Projekte

Projektleiter Alfred Lohmann ist fasziniert von der Dynamik, die das Projekt entwickelt hat: „ Wir haben uns mit der professionellen Engagementförderung auf neues Terrain begeben. Das war mitunter herausfordernd. Manchmal gibt es vor Ort tolle Ideen, die aber schnell versanden, wenn sich niemand entschieden dahinterklemmt. Genau diese Stelle ist es, an der die Engagementförderer ins Spiel kommen. Sie motivieren, vernetzen und unterstützen mit professionellem Knowhow. So wird aus der Idee Wirklichkeit und das funktioniert zunehmend immer besser.“

Als nächster Schritt steht nun die Evaluation der ersten Projektphase an. Wie der Projektverlauf genau weitergeht, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen aber für Projektleiter Lohmann steht eines fest: „Die Mühe hat sich bereits gelohnt, denn die Erkenntnisse aus dem Projekt lassen sich auf viele Bereiche der Kirchenentwicklung übertragen“.

Die Arbeit der Engagementförderer vor Ort

Im Rahmen des Projektes arbeiten bereits seit zwei Jahren sogenannte „Engagementförderer“ hauptamtlich direkt in den Gemeinden vor Ort. Dazu wurden in der Pilotphase zunächst 60 Seelsorgebereiche ausgewählt. Sie entwickeln und erproben unterschiedliche Strategien und Vorhaben und können dabei durchaus kreativ werden. Sie helfen zum Beispiel beim > Aufbau von Lotsenpunkten, die eine niedrigschwellige Anlaufstelle sind für Menschen, die Hilfe benötigen. Außerdem sind sie in der Koordination der Flüchtlings- und Integrationsarbeit aktiv.

Schließlich geht es auch darum, neue Ideen für das Gemeindeleben mit den Menschen vor Ort zu entwickeln und deren Umsetzung zu fördern.

  • So ist zum Beispiel in Grevenbroich das Projekt Alltagshelfer entstanden. Dabei unterstützen Ehrenamtliche kranke oder alte Menschen bei der Lösung von kleinen Aufgaben des Alltags wie Einkaufen oder Rasenmähen, die sie selbst nicht mehr gut bewältigen können. > www.alltagshelfer-grevenbroich.de 
  • In Rösrath gibt es mit der Initiative Chill‘n church ein neues liturgisches Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene. > mehr
  • Video: Einblick in die Engagementförderung in Remscheid-Lennep:

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